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Wird Künstliche Intelligenz den Anwalt ersetzen? – Interview mit Stefan Schicker

In der aktuellen Folge des Legal Tech Verzeichnis Video-Podcast interviewt LTV Herausgeber Patrick Prior den Rechtsanwalt, Legal Tech Berater und Programmierer Stefan Schicker zum Thema „Wird Künstliche Intelligenz den Anwalt ersetzen?“.

Zusammenfassung des Gesprächs (KI generiert):

Stefan Schicker, Rechtsanwalt, Legal Tech-Berater und Programmierer, diskutierte mit LTV Herausgeber Patrick Prior, über die Zukunft der Juristerei und speziell darüber, ob Künstliche Intelligenz (KI) den Anwalt ersetzen wird.

Schicker betonte, dass die aktuelle Entwicklung im Bereich Legal Tech spannende Chancen bietet. Er erinnerte an die Anfangsängste vor Computern, die bei der Einführung von Legal Tech aufkamen, aber viele der genutzten Tools waren lediglich einfache Anwendungen wie Word und Excel. Schicker ist überzeugt, dass der Mensch in der Juristerei, speziell durch den „human in the loop“, weiterhin eine entscheidende Rolle spielen wird. Er sieht die Technologie als Unterstützung, um ineffiziente Arbeiten zu rationalisieren, wodurch Juristen mehr Zeit für die eigentliche juristische Arbeit haben.

Die Diskussion drehte sich auch um die Frage, ob Anwälte programmieren lernen sollten. Schicker stellte fest, dass das heutige Programmieren einfacher geworden ist, insbesondere mit No-Code-Plattformen. Es sei wichtig, sich mit den sich ständig weiterentwickelnden Technologien vertraut zu machen.

Bezüglich der zentralen Frage, ob KI den Anwalt ersetzen werde, erklärte Schicker, dass er kurzfristig nicht davon ausgeht. Obwohl KI bereits Routinetätigkeiten unterstützen kann, fehlt es aktuell noch an den Grundlagen für robuste juristische KI, insbesondere in Europa, wo der Zugang zu relevanten Daten und Urteilen begrenzter ist als in den USA.

Schicker betonte, dass die aktuelle Phase im Hype-Zyklus für KI im Rechtsbereich sich auf dem absteigenden Ast befindet. Er erklärte, dass es zunächst wichtig sei, die Prozesse zu optimieren, bevor man darüber nachdenkt, Technologien einzuführen. Er sieht Potenzial in der Anwendung von KI für zeitraubende Aufgaben wie die Zusammenfassung von Urteilen oder die semantische Verschlagwortung.

Bezüglich der Justiz und KI-Assistenten für Richter merkte Schicker an, dass die Entwicklung hier langsamer ist. Obwohl viel darüber gesprochen wird, sind die Umsetzung und die Budgets oft hinderlich. Schicker sieht jedoch die Vorteile von objektiveren, konsistenten und effizienten Entscheidungen durch KI in der Justiz. Insgesamt betonte er die Bedeutung der Technologie als Werkzeug zur Effizienzsteigerung und unterstrich, dass Juristen sich mit den Entwicklungen auseinandersetzen sollten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Schicker betonte die aktuelle Arbeitsbelastung im juristischen Bereich und die dringende Notwendigkeit, Juristen unterstützende Assistenten zur Verfügung zu stellen. Er argumentierte, dass KI dazu beitragen könne, die Qualität formeller Klagen zu verbessern und somit die Arbeitslast der Richter zu verringern. Die Idee war, durch den Einsatz von KI-basierten Assistenten formal robuste Klagen zu generieren, die Richter nicht einfach ablehnen könnten.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs lag auf der Rolle von Technologie bei der Unterstützung von Richtern. Schicker betonte, dass ein Richter, der sich fachlich in einem Bereich auskennt, bessere und verständlichere Entscheidungen treffen könne. Die Integration von KI als Assistenzsystem könnte dazu beitragen, Richtern spezifisches Wissen für einen bestimmten Fall zugänglich zu machen, was letztendlich zu fundierteren rechtlichen Ausführungen führen würde.

Die Diskussion schwenkte auch auf die mögliche Effizienzsteigerung durch KI im juristischen Bereich. Schicker und sein Prior waren sich einig, dass KI-basierte Systeme, insbesondere im Umgang mit Massenfällen, eine enorme Zeitersparnis ermöglichen könnten. Die Überlastung der Gerichte und die Förderung von Massenfällen durch Legal Tech Unternehmen wurden ebenfalls als relevante Themen angesprochen.

Im Hinblick auf die Zukunft und die Integration von KI in den Anwaltsberuf sprachen die Experten darüber, wie Juristen sich proaktiv auf die Veränderungen vorbereiten könnten. Schicker betonte die Bedeutung eines Grundverständnisses für Technologie, ohne dass Juristen selbst zu Programmierern werden müssten. Er ermutigte dazu, sich mit aktuellen Technologien und Legal Tech Lösungen vertraut zu machen.

Die Frage, ob KI den Anwalt tatsächlich ersetzen wird, führte zu einer interessanten Perspektive. Schicker und sein Gesprächspartner Prior waren sich einig, dass die Integration von KI als Assistenzsysteme für Richter eine wahrscheinlichere Entwicklung sei. Dies könnte nicht nur zu einer Entlastung der Gerichte führen, sondern auch zu einer verbesserten Zugänglichkeit von Rechtsdienstleistungen für die Öffentlichkeit.

Zum Abschluss wagten die Experten einen Blick in die Zukunft, insbesondere in Bezug auf eine hypothetische starke künstliche Intelligenz. Schicker betonte, dass solche Entwicklungen zwar faszinierend seien, aber noch in einem sehr theoretischen Stadium lägen. Er stellte klar, dass die aktuelle KI eher schwach sei und noch viele Herausforderungen wie Verantwortlichkeit, Transparenz und Fairness bewältigen müsse.

Insgesamt lieferte das Gespräch einen umfassenden Einblick in die Diskussion über die Rolle von KI im Anwaltsberuf. Es zeigte auf, dass die Integration von Technologie als Unterstützung für Juristen und Richter eine vielversprechende Entwicklung sein könnte, die sowohl Effizienzsteigerungen als auch verbesserte Rechtsdienstleistungen mit sich bringt.

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