Interview zum neuen Buch „Legal Tech – Die digitale Transformation in der Anwaltskanzlei“

Legal Tech - Die digitale Transformation in der Anwaltskanzlei

01.02.19 – Kürzlich erschien das neue Buch „Legal Tech – Die digitale Transformation in der Anwaltskanzlei“ der Autoren Petra Arends-Paltzer, Christian Solmecke und Robin Schmitt. Das Legal Tech Verzeichnis hatte die Möglichkeit, die Autoren zu ihrem neuen Werk zu interviewen.

LTV: Es gibt bereits zwei Legal Tech Bücher am Markt. Was unterscheidet Ihr Buch von diesen anderen?

Petra Arends-Paltzer: Wir haben ein Buch mit praktischen Anleitungen geschrieben. Das Buch hat zahlreiche Screenshots und gibt viele praktische Tipps zur Umsetzung. Ein Anwalt, der es mit der Digitalisierung ernst nimmt, kann morgen anfangen, Teile seiner Kanzlei zu digitalisieren. Wir nennen Anbieter, Vorgehensweise, schauen auf die Konkurrenz, geben Ausblicke, zeigen neue skalierbare Businessmodelle auf und legen einen Schwerpunkt auf vielleicht das Allerwichtigste – Marketing.

LTV: Ihr Buch hat einen starken Marketing-Schwerpunkt. Wer soll damit genau angesprochen werden bezüglich der Umsetzung in einer Kanzlei?

Petra Arends-Paltzer: Alle Anwälte, die sich neu aufstellen und positionieren wollen und die erkennen, wie wichtig es heute ist, sich online zu vermarkten. Das ist Aufgabe der Chefs einer Kanzlei – und deshalb haben wir das Thema Marketing auch so pointiert besetzt.

LTV: Ein Kapitel beschäftigt sich mit sogenannten Landing-Pages. Um was handelt es sich hierbei und warum sind diese wichtig?

Petra Arends-Paltzer: Um in der heutigen Informationsflut nicht zu ertrinken, muss man sich (auch) als Anwalt auf einen einzigen Aspekt, der einem potentiellen Mandanten bedrückt, konzentrieren. Das kann man nicht mit Webseiten, sondern nur mit einer einzigen Seite, einer sogenannten Landingpage erreichen. Vereinfacht: Ein Rechtsproblem = eine Seite mit einer Lösung.

LTV: Ein weiteres Kapitel dreht sich um Social Media. Gerade Hr. Solmecke ist ja sehr bekannt im Bereich Youtube. Denken Sie dieses Format eignet sich als Marketingmittel für jeden Anwalt in allen Rechtsgebieten und jeder Kanzleigröße?

Christian Solmecke: Auf jeden Fall! Als Christian Solmecke seinen Kanal vor 8 Jahren gestartet hat, hatte seine Kanzlei gerade einmal 8 Mitarbeiter. Mittlerweile arbeiten 80 Menschen für seine Sozietät. Während der gesamten Wachstumszeit war Youtube ein „stiller“ Begleiter und hat nicht zuletzt zu dem Erfolg beigetragen.

LTV: Sehr interessant ist auch das Kapitel „Digitale Workflows“. Denken Sie hier muss sich zeitnah jede Kanzlei umstellen oder kann man auch ohne eine „Digitale Strategie“ noch lange am Rechtsmarkt bestehen?

Christian Solmecke: Das kommt darauf an, wie lange man noch bestehen möchte. Betrachtet man einen Zeithorizont von 10 Jahren, dann wird es ganz bestimmt noch möglich sein, mit „herkömmlicher“ analoger Anwaltsarbeit Geschäft zu machen – die Margen werden allerdings schwinden, da Mitbewerber Leistungen günstiger anbieten können. Langfristig, ist eine Umstellung auf digitales Arbeiten unumgänglich. Und einen Scanner sollte sich ohnehin jede Anwaltskanzlei schon angeschafft haben – beA sein Dank.

LTV: Das letzte Kapitel schaut auf die Digitalisierung der Rechtsbranche in anderen Ländern. Wie steht Deutschland hier im Vergleich da?

Petra Arends-Paltzer: Die Niederlande, die nordischen Staaten, Grossbritannien, die baltische Staaten sind vergleichsweise wesentlich weiter als Deutschland. Das hängt sicher damit zusammen, dass es uns /den Anwälten in Deutschland immer noch zu gut geht. Ein weiterer Aspekt ist aber leider auch, dass viele Anwälte dazu neigen, erst einmal alles zu bekämpfen, was potentielle Konkurrenz könnte. Die Digitalisierung, die skalierbaren Businessmodelle der «Legal Tech Unternehmen» werden als Bedrohung empfunden und mit aller Macht bekämpft. Jüngstes Beispiel – Rechtsanwaltskammer Berlin gegen «Weniger Miete.de».

Ein weiterer Aspekt ist aber sicher auch, dass ein zentraler Treiber digitaler rechtlicher Businessmodelle – den Zugang zum Recht überhaupt erst zu ermöglichen (Access to Justice = A2J) in Deutschland nicht so ausgeprägt ist, wie z.B. in asiatischen oder auch afrikanischen Ländern. In diesen Ländern erhalten mit Hilfe digitaler und skalierbarer Businesmodelle Milliarden von Menschen erstmals überhaupt Zugang zum Recht. Das ist ein Grund, warum insbesondere asiatische Länder mithilfe zahlreicher Investoren schon bald bei der Digitalisierung der Rechtsbranche die Nase ganz weit vorne haben werden.

LTV: Vielen Dank für das Interview.

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