Fachartikel

Interview mit Richard Tromans, dem Gründer von ArtificialLawyer.com

Nachdem Richard Tromans, Gründer und Betreiber des weltweit bekannten KI Legal Tech Blogs ArtificialLawyer.com, am 12.9.18 zur Buchvorstellung „Legal Tech – A Practitioner’s Guide“ in Frankfurt am Main war, hatten wir die Gelegenheit ein kurzes Interview mit ihm führen zu dürfen.

Redaktion: Lieber Herr Tromans, wie weit ist die Künstliche Intelligenz im Rechtsbereich in Großbritannien und den USA fortgeschritten?

Richard Tromans: Es sind noch sehr, sehr frühe Zeiten. Selbst jetzt. Aber viele der Top-Anwaltskanzleien verwenden schon eine Reihe von KI-Tools, von der Überprüfung von NLP-Dokumenten, über Expertensysteme bis hin zu vorausdenken Systemen, die bei Rechtsstreitigkeiten Anwendung finden. Es ist ein toller Anfang, aber wir haben erst ungefähr 1% der Reise hinter uns.

Redaktion: Wird Künstliche Intelligenz Ihrer Meinung nach auch vor Gericht viel verändern? Wird es jemals einen Robo-Richter geben?

Richard Tromans: Einige Richter nutzen bereits NLP KI-Tools für ihre eigene rechtliche Untersuchung von Fällen. Aber das menschliche Urteil in einer Gerichtsentscheidung einer Maschine überlassen ..? Ich denke es wäre unklug, auch wenn es möglich wäre. Und es wird sicherlich bald möglich sein, zumindest in Bezug auf grundlegende Dinge, wie z.B. die Festlegung der Strafhöhe. Aber es gibt so viele subtile und menschliche Aspekte, ein Urteil abzugeben, so dass es besser in menschlichen Händen bleiben sollte.

Redaktion: Sie sind ja in Frankfurt zu einer Legal Tech Buchpräsentation als Sprecher eingeladen worden. Kommen Sie eigentlich oft nach Deutschland?

Richard Tromans: Ich war in den letzten 12 Monaten dreimal in Deutschland, und jedes mal habe ich zum Thema „Künstliche Intelligenz für Anwälte“ gesprochen. Deutschland ist eindeutig ein sehr wichtiger Markt und hat einige große Legal Tech Unternehmen hervorgebracht.

Redaktion: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Unterschiede im Bereich Legal Tech zwischen USA, UK und Deutschland?

Richard Tromans: Die Vereinigten Staaten konzentrieren sich stärker auf Technologie zur Streitbeilegung. Großbritannien konzentriert sich vorerst auf den Bereich „transactions“. Deutschland ist dabei wahrscheinlich näher am Vereinigten Königreich, d.h. mit dem Schwerpunkt auf „transactional work applications“. Es gibt auch Unternehmen wie z.B. Bryter, die Tools zur Prozess- und Dokumentenautomatisierung /-erstellung anbieten.

Redaktion: Wie sehen Sie die Zukunft von Rechtsanwälten in kleinen und mittleren Anwaltskanzleien in den nächsten 10 Jahren?

Richard Tromans: Für diese kleineren und mittelständischen Kanzleien wird es große Chancen geben zu wachsen und Wettbewerbsvorteile zu finden, indem sie Technologie als „Force-Multiplikator“ einsetzen. Ich denke, langfristig werden die Kanzleien, die sich nicht mit Technologie beschäftigen, selbst wenn es sich nur um einfache Dinge handelt, wie ein besseres Dokumenten-Management oder elektronische Signaturen, zurückfallen und Mandanten verlieren. Nicht jede Kanzlei benötigt eine leistungsstarke automatisierte Lösung, aber diejenigen, die Wege finden, diese Technologie sinnvoll einzusetzen und zu nutzen, werden einen Vorteil haben.

Redaktion: Und wie sehen Sie die Zukunft von Wirtschaftsanwälten in internationalen Anwaltskanzleien in den nächsten 10 Jahren?

Richard Tromans: Den großen Wirtschaftskanzleien wird es gut gehen, denn sie machen einen großen Teil ihres Umsatzes durch Expertenrat. Die Paralegals, die bei den Großkanzleien arbeiten … das wird wohl eine ganz andere Geschichte werden. Denn große Unternehmen sind es leid, hohe Gebühren für die Erledigung von Prozessen zu bezahlen.

Redaktion: Abschließend noch folgende Frage bezogen auf die Zukunft – Was wird der nächste große Trend im Legal Tech Bereich sein?

Richard Tromans: Die „Plattformisierung“ und die Schaffung von echten „Rechtsberatungs-Fließbändern“.

Redaktion: Vielen Dank Herr Tromans für dieses interessante Interview und weiterhin viel Erfolg bei Ihrer spannenden Arbeit.

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