Warum Legal Tech und ein persönlicher Beratungsansatz kein Widerspruch, sondern eine gelungene Ergänzung sind

Legal Tech und ein persönlicher Beratungsansatz

29.10.21 – Für mich funktioniert eine digitale Kanzleistrategie mit Fokus auf persönlicher Betreuung sehr gut. Der Einsatz von Legal Tech Tools steht dabei in keinem Widerspruch, sondern bildet meines Erachtens eine gelungene Ergänzung zu meinem persönlichen Beratungsansatz. Ein modernes Dienstleistungsangebot erleichtert vielen Menschen den Zugang zum Recht, weil sie die Beratung sehr unkompliziert in Anspruch nehmen können. Meine Beratung verläuft (bis auf mögliche Gerichtstermine) überwiegend digital, sie ist deshalb jedoch keineswegs unpersönlich. Ganz im Gegenteil: Die Zeit, die ich durch den Einsatz von Legal Tech Tools gewinne, kommt meinen Mandant:innen zugute, für deren Betreuung ich mehr Zeit habe.

Unkomplizierte Kontaktaufnahme und Kommunikation

Wer abends im Internet nach einer Anwältin für Arbeitsrecht in Berlin googelt, weil sie/er gerade gekündigt wurde, stößt möglicherweise auf LACHMUNDlaw – digitale Kanzlei für Arbeitsrecht. Statt erst am nächsten Werktag zu den Bürozeiten des Sekretariats einer Kanzlei einen (unter Umständen nicht einmal zeitnahen) Beratungstermin ausmachen zu müssen, können sich Ratsuchende bei mir ganz unkompliziert über mein Terminbuchungstool (Calendly) direkt einen Termin buchen. Ein Beratungstermin kann bei mir recht kurzfristig mit wenigen Stunden Vorlauf vereinbart werden. Zudem kommt es vielen Menschen sehr entgegen, wenn sie meine Beratung örtlich flexibel in Anspruch nehmen können, ohne dabei für unnötige Wegzeiten wertvolle Zeit zu verlieren. Die Erstberatung findet je nach Wunsch der Ratsuchenden entweder per Telefon oder als Videocall über Microsoft Teams statt.

Beauftragung ganz einfach online

Im Anschluss an die Erstberatung erhalten die Neu-Mandant:innen eine automatische Email inklusive zwei Links, mit welchen sie LACHMUNDlaw mit der rechtlichen Vertretung beauftragen können. Auch die Beauftragung läuft komplett digital: Einer der beiden Links führt die Mandant:innen zu einem Webformular, in das die persönlichen Daten und alle Falldaten eingeben werden. Der andere Link erzeugt eine Vollmacht, die von den Mandant:innen online unterschrieben werden kann. Aus den im Webformular eingegebenen Daten erzeugt meine sog. Workflow-Automatisierung (ShakeSpeare-Software) automatisch Dokumente wie eine Kündigungsschutzklage. Die erzeugten Dokumente sowie alle sonstigen Daten fließen anschließend über eine Schnittstelle direkt in meine Anwaltssoftware (Advoware). In der Anwaltssoftware wird im Anschluss automatisch eine Akte mit allen wichtigen Informationen angelegt.

Niedrigschwelliges Angebot erleichtert Zugang zum Recht

Meine digitalen Kanzleiprozesse ermöglichen es Ratsuchenden, meine Rechtsdienstleistung sehr unkompliziert in Anspruch zu nehmen. Dieser Punkt, d.h. den Menschen ein möglichst „niedrigschwelliges“ Angebot zu bieten, war mir bei der Konzeption meiner digitalen Kanzleistrategie sehr wichtig. Leider kommt es in der Praxis viel zu häufig vor, dass sich Ratsuchende mangels transparentem und sympathischem Angebot z.B. nicht gegen eine erfolgte Kündigung wehren, obwohl es dazu das Mittel der Kündigungsschutzklage gibt. Der weit verbreiteten Annahme, dass anwaltliche Beratung immer kompliziert, teuer und unverständlich sein muss, trete ich mit einer Kombination aus moderner Technik und menschlicher Nähe entgegen.

Vertrauen aufbauen gelingt auch digital

Die persönliche Betreuung meiner Mandant:innen ist wesentlicher Bestandteil meiner Beratung. Um eine Vertrauensbasis und persönliche Beziehung zu neuen Mandant:innen aufzubauen, braucht es meines Erachtens nicht zwangsläufig eines persönlichen Treffens. Vertrauensaufbau gelingt auch sehr gut über Telefon oder im Rahmen eines Videocalls. Persönliche Beratung bedeutet für mich dabei weniger „sich in Person zu treffen“, als dass ich ein offenes Ohr für die Bedürfnisse meiner Mandant:innen habe und ihnen das Gefühl gebe, mit ihren Anliegen und Bedürfnissen bei mir gut aufgehoben zu sein. Meine Mandant:innen wissen, dass sie mich jederzeit mit ihren Fragen und Anliegen erreichen können.

Falls die Angelegenheit später vor Gericht geht, was insbesondere bei Kündigungen oft der Fall ist, kommt es ohnehin zu einem persönlichen Treffen. Vor dem Gerichtstermin sind viele Mandant:innen sehr angespannt. Meist treffen wir uns deshalb vorher auf einen Kaffee und gehen zur Beruhigung ein paar Schritte. Während viele Anwältinnen oder Anwälte von Termin zu Termin hetzten, verfüge ich dank Workflow-Automatisierung und mangels zeitfressender Präsenztermine über die notwendigen Kapazitäten.

Auf manche Menschen wirkt der digitale Beratungsansatz von LACHMUNDlaw möglicherweise dennoch abschreckend. Nicht jeder Mensch schätzt ein digitales Angebot und das ist auch in Ordnung, weil es für diese Menschen weiterhin viele analog arbeitende Kanzleien gibt. Letztendlich landen am Ende Menschen mit einem ähnlichen Mindset bei mir, was die Zusammenarbeit sehr angenehm macht, weil Anwältin und Ratsuchende „die gleiche Sprache sprechen“.

Legal Tech wird den Menschen nicht ersetzen

So sehr ich den Einsatz von Legal Tech Tools schätze und kontinuierlich nach technischen Optimierungsmöglichkeiten suche, so sicher bin ich mir auch, dass die fortschreitende Digitalisierung den menschlichen Kontakt und Austausch niemals ersetzen wird. Technik ist meines Erachtens vielmehr dazu da, die Erledigung bestimmter Prozesse zu erleichtern oder zu ersetzen. Um Empathie und Vertrauen aufzubauen, wird es jedoch auch in Zukunft eine gute Anwältin oder Anwalt brauchen.

Autorin: Anne Lachmund ist Rechtsanwältin (LL.M.) und Gründerin von LACHMUNDlaw – digitale Kanzlei für Arbeitsrecht aus Berlin/Kreuzberg. Sie berät schwerpunktmäßig Fach- und Führungskräfte sowie Start-Ups bei allen arbeitsrechtlichen Themen. Vor ihrer Selbständigkeit arbeitete sie als Anwältin in der Praxisgruppe Arbeitsrecht/Pensions einer internationalen Wirtschaftskanzlei und war später im Headquarter eines Großkonzerns für den Bereich Pensionen verantwortlich. Dort hat sie ihre Liebe für Prozesse und Digitalisierungsthemen entdeckt.

Foto: © pixabay

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