ESGFachartikel

Nutzerzentrierte Ansätze als Kompass für erfolgreiche ESG-Compliance

Ressourcenverbrauch, CO2-Emissionen, soziale Verantwortung – das Thema ESG ist spätestens seit dem Erlass der CSRD in aller Munde, und die Nachhaltigkeits-Performance nimmt vermehrt Einfluss auf den Wert von Unternehmen. ESG-Compliance funktioniert dabei perspektivisch nur mit dem intelligenten Einsatz von Technologie – und mit nutzerzentrierten Lösungen.

Nachhaltigkeitsziele stehen längst nicht mehr nur bei großen Konzernen auf der Tagesordnung – stetig wachsende Anforderungen durch neue Gesetze und Richtlinien auf europäischer und nationaler Ebene beschäftigen zunehmend auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs). Der zentrale Begriff ESG (Environment, Social, Governance) rückt auch hier zunehmend in den unternehmerischen Fokus, und dies nicht ohne Grund – spätestens mit der im November 2022 verabschiedeten Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU wird sich der Umgang mit Nachhaltigkeitsthemen und die entsprechende Berichterstattung tiefgreifend verändern.

Der Countdown läuft dabei auch und gerade für KMUS – etwa 50.000 Unternehmen werden bereits ab dem Jahr 2024 zusätzliche, umfassende Berichtspflichten auferlegt. Und obwohl viele Unternehmen über ihre Nachhaltigkeitsleistungen bereits in der Vergangenheit berichtet haben, verlangt die CSRD ein verbindliches, bislang nicht dagewesenes Maß an Offenlegung.

Der Druck steigt überdies auch von Kund:innenseite – so berichteten laut einer KPMG-Studie aus dem Jahr 2022 rund 69 % aller CEOs von einer steigenden Stakeholder-Nachfrage nach Transparenz und Reporting im Bereich ESG (Quelle: KPMG 2022 CEO Outlook, Growth strategies in turbulent times, https://assets.kpmg.com/content/dam/kpmg/xx/pdf/2022/10/ceo-outlook-report.pdf S. 16, zuletzt aufgerufen am 04.09.2023).

Nicht zuletzt verfolgt Deutschland darüber hinaus das Ziel, bis 2045 eine klimaneutrale Wirtschaft zu realisieren, sodass mit zunehmender Regulierung auch auf nationaler Ebene zu rechnen ist.

Sowohl Konzerne als auch kleinere Unternehmen müssen sich also auf eine Reihe von Neuerungen einstellen und vorbereiten – fraglich ist, mit welchen Strategien gerade der klassische Mittelstand den steigenden regulatorischen Vorgaben gerecht werden kann. Dass der Einsatz von Technologie hierbei eine entscheidende Rolle spielen wird, ist kein Geheimnis – aber auch hier kann Technologie nur dann ein funktionsfähiges Werkzeug sein, wenn ihre Anwender:innen damit umzugehen wissen.

Vom „Greenwashing“ zur ernsthaften Nachhaltigkeit im Lagebericht

Klar ist zunächst: Die Zeiten des „Greenwashings“ und der eher stiefmütterlichen Auseinandersetzung mit ESG als bloßer Handlungsempfehlung sind vorbei. Nicht nur in kapitalmarktorientierten Konzernen wird der Fokus perspektivisch auf nachhaltigem Wirtschaften und der dokumentierten Nachhaltigkeitsperformance im Lagebericht liegen.

ESG-Compliance wird voraussichtlich stark und stetig an Bedeutung gewinnen, wohl vergleichbar mit der Umsetzung der Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die das noble Ziel verfolge, den Datenschutz in Europa zu stärken und zu vereinheitlichen – und in den meisten Unternehmen bestehende Prozesse und den Umgang mit Daten gründlich auf den Kopf stellte. ESG-Themen werden sich nach diesseitiger Ansicht ganz ähnlich entwickeln und vom „Nice to have“ zum notwendigen Standard; der Regulierungsdschungel im Gegenzug dichter werden.

Die zentrale Frage: Nicht „ob“, sondern „wie“

Das „Ob“ ist also klar – die Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien wird für die meisten Unternehmen zum Imperativ. Die zentrale, künftige Herausforderung ist das „Wie“, also die Umsetzung der zunehmenden Regularien und der daraus folgenden Berichtspflichten.

Dies betrifft insbesondere Unternehmen, die sich bis zum nächsten Jahr zwangsläufig vertieft mit ESG auseinandersetzen müssen. Hierbei stellen sich zahlreiche Herausforderungen und Fragen: Welche aktuellen Vorschriften sind bereits für unser Unternehmen relevant? Welche zukünftigen Anforderungen könnten auf uns zukommen? Wie können neue Regelungen in bestehende Geschäftsprozesse integriert werden? Welche Methoden zur Datenerhebung und -auswertung sind erforderlich? Wie kann Transparenz in den Unternehmensabläufen geschaffen werden? Bedarf es neuer Technologien – und welche Tools stehen bereits zur Verfügung? Wie kann die Belegschaft effektiv dazu motiviert werden, diese Tools zu nutzen? Welche Aspekte sollten in den Berichterstattungen offengelegt werden?

Daten und Technologie als unverzichtbare Werkzeuge

Eine Schlüsselaufgabe besteht in der zentralen Sammlung und Auswertung relevanter Daten. Angesichts der erwarteten Zunahme von Vorschriften sollten Unternehmen nicht nur darauf abzielen, die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, sondern von Anfang an auf eine datenbasierte und digitale Nachhaltigkeitsstrategie setzen. Dies ermöglicht nicht nur die Erfüllung gesetzlicher Verpflichtungen, sondern auch eine Verbesserung der eigenen ESG-Performance und die Schaffung langfristigen Mehrwerts; in Hinblick auf die Unternehmensbewertung aber mittlerweile auch einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Bei all den oben genannten Fragestellungen wird deutlich, dass sie perspektivisch nur mit dem Einsatz von Technologie effizient bewältigt werden können. Daten zentral an einem Ort sammeln, Prozesse auslesen, Informationen aus Datenquellen zusammensuchen und Berichtspflichten in Form von Reportings gerecht werden – wer all dies „analog“, oder zwar digital, aber unstrukturiert angeht, wird bald einen Großteil personeller und finanzieller Ressourcen auf die kontinuierliche Informationssuche verwenden. Es zeichnet sich ab: Technologie und ein intelligentes Datenmanagement sind unverzichtbare Hilfsmittel auf dem Weg zu einer langfristigen ESG-Compliance-Strategie.

Der erste Impuls ist daher der reflexartige Erwerb technologischer Lösungen im Bereich ESG-Compliance. Und wer suchet, der findet – auf dem Markt tummeln sich zahlreiche Anbieter, die ein einfaches und skalierbares ESG-Datenmanagement versprechen. Wie auch sonst ist eine kritische Auswahl des geeigneten Tools von entscheidender Bedeutung. Es ist nicht immer offensichtlich, welches digitale Werkzeug für ein Unternehmen am besten geeignet ist, sich am besten in bestehende Strukturen und System integrieren und erweitern lässt. Externe Berater können eine hilfreiche Unterstützung sein; der Erfolg bei der Implementierung von Technologie hängt indes vor allem von ihrer intelligenten und zielgerichteten Nutzung – also: von ihren Nutzer:innen – ab.

Der Mensch als Erfolgsfaktor für Nachhaltigkeitsmanagement

Wie bei allen Digitalisierungs- und Innovationsthemen gilt daher auch im Bereich ESG-Compliance: Nichts funktioniert ohne den Faktor Mensch. Die neuartigste Technologie und der größte Datenpool nutzen nichts, wenn sie nicht (richtig) genutzt werden. Und letztendlich sind es – zumindest bis auf Weiteres – Menschen, die ESG-Richtlinien in die Praxis umsetzen. Mitarbeiter:innen gestalten Prozesse um, halten sich an Vorschriften und setzen Tools richtig ein – oder eben nicht. Eine erfolgreiche ESG-Compliance hängt daher entscheidend von der Nutzerperspektive ab. Ein nutzerzentrierter Ansatz, der die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Mitarbeiter:innen berücksichtigt, wird zum Schlüssel für eine erfolgreiche Umsetzung von ESG-Compliance. Dieser Ansatz erleichtert nicht nur die Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen, sondern schafft auch die Grundlage für nachhaltige Geschäftspraktiken und einen langfristigen, wirtschaftlichen Erfolg.

Autorin: Anna Balmes ist Volljuristin, Innovation Consultant bei der Innovationsberatung This is Legal Design und Legal Designerin bei der ARAG SE. Zuvor war sie als Rechtsanwältin für Marken- und Wettbewerbsrecht bei einer Kölner Kanzlei tätig. – At anderciae quo in nim illenditem fac

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