Fachartikel

Recht auf den ersten Klick – ein Interview mit VerbraucherFux

Marius Dresen, Martin Göb und Dr. Gregor Schroll LL.M. sind die drei Gründer der Xclaim GmbH. Diese betreibt unter anderem die Legal Tech-Plattform VerbraucherFux, welche als neuer Legal Tech Anbieter für die Durchsetzung von Verbraucherrechten in den Markt einsteigt. Wir hatten die Gelegenheit ihnen dazu einige Fragen zu stellen.

Wie kamen sie auf die Idee VerbraucherFux zu gründen?

Wir sind eher zufällig auf ein Problem gestoßen, für das aus unserer Sicht noch kein adäquates Angebot im Markt existierte. In unserem Fall war der Flug eines Freundes während der Corona-Pandemie storniert worden, aber die Airline erstattete den Flugpreis trotz mehrfacher Aufforderung nicht. Uns wurde schnell klar, dass es sich dabei nicht um einen Einzelfall handelte und eine weitere Recherche zeigte, dass ähnliche Probleme z.B. auch in Bezug auf Fitnessstudio-Beiträge und in weiteren Konstellationen bestehen. Wir hatten den Eindruck, dass Verbraucher in vielen Fällen von Unternehmen systematisch an der Wahrnehmung ihrer Rechte gehindert werden, typischerweise in Bereichen, in denen individuelle Ansprüche eher gering sind und Verbraucher aufgrund der Informationsasymmetrie und Kostenrisiken eine Durchsetzung scheuen. Wir haben uns daher gefragt, ob sich solche Ansprüche nicht in großer Anzahl IT-basiert erfassen, auswerten und durchsetzen ließen. Daraus hat sich dann die Businessidee für den VerbraucherFux als Plattform für die Durchsetzung von Verbraucherrechten entwickelt. Die Corona-Pandemie hat dabei vermutlich als Katalysator gewirkt, weil wir die vielen ruhigen Abende während des ersten Lockdowns nutzen konnten, um das Konzept auszuarbeiten und die technische Infrastruktur aufzusetzen.

Sehr interessant. Worauf genau gründet denn das Konzept von VerbraucherFux?

Vereinfacht gesagt möchten wir den VerbraucherFux als einfache, praktische und kostengünstige Option für die Durchsetzung von Verbraucherrechten etablieren. Kunden können sich auf unserer Website informieren und bei Bedarf für eine oder mehrere Leistungen registrieren. Aktuell bieten wir unseren Service für sieben verschiedene Anspruchskategorien an, neben der ganzen Bandbreite von Fluggastrechten z.B. auch im Bereich der Rückforderung verlorener Online-Glückspieleinsätze, im Zusammenhang mit Kfz-Leasing oder Schadensersatz bei Datenschutzverstößen. Registrierung und Beauftragung erfolgen dabei vollständig digital, um den Aufwand und die Hemmschwelle für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten. Da wir rein erfolgsbasiert arbeiten, tragen unsere Kunden außerdem keine finanziellen Risiken. Damit kommen wir dem Bedürfnis vieler Konsumenten entgegen, Online-Angebote einfach und ohne Vorauszahlungen wahrnehmen zu können.
Als staatlich zugelassener Rechtsdienstleister können wir Verbraucheransprüche schnell und effizient verfolgen. Sofern wir auf Widerstände bei den Anspruchsgegnern stoßen, kooperieren wir mit Partneranwälten und Prozessfinanzierern, um die Ansprüche gerichtlich durchzusetzen. Wir übernehmen dabei die gesamte organisatorische Abwicklung der Anspruchsdurchsetzung und tragen sämtliche Kosten im Falle einer gerichtlichen Durchsetzung. Da wir Informationen aus den von uns bearbeiteten Fällen systematisch erfassen und parallel relevante Marktentwicklungen analysieren, erhöhen wir laufend die Breite und Qualität unser Datengrundlage. Auf diese Weise sind wir in der Lage, die Bewertung von Risiken und Erfolgschancen kontinuierlich zu verbessern. Ziel ist es, perspektivisch weitere geeignete Anspruchstypen in unser Angebot aufzunehmen. In Bezug auf Datenschutzverstöße sehen wir beispielsweise ein erhebliches Potenzial.

An welche Zielgruppe richtet sich ihr Angebot?

Der VerbraucherFux ist ein Angebot, das sich an private Konsumenten richtet. In bestimmten Branchen besteht ein besonders starkes strukturelles Kräfteungleichgewicht zwischen Verbrauchern und Unternehmen. Nach unserer Beobachtung halten dort viele Unternehmen ihre Kunden bei der Durchsetzung berechtigter Ansprüche bewusst hin, verzögern die Bearbeitung von Forderungen und setzen auf Blockade. Dieses Verhalten tritt vor allem dort auf, wo individuelle Ansprüche typischerweise einen eher geringen Wert aufweisen und das Risiko für Unternehmen, dass Verbraucher ihre Rechte gerichtlich durchsetzen, aufgrund der bestehenden Kostenrisiken entsprechend niedrig ist. Wir möchten Verbrauchern in dieser Situation eine komfortable und kosteneffiziente Möglichkeit bieten, ihre Rechte wahrzunehmen.

Was ist neu an ihrem Angebot und wie wollen sie sich von der Masse der anderen Legal Tech Anbieter für Verbraucher abheben?

Die Idee, Ansprüche automatisiert zu prüfen und durchzusetzen ist prinzipiell nicht neu. Der VerbraucherFux hebt sich von diesen Angeboten vor allem dadurch ab, dass wir uns nicht monothematisch auf einen Bereich konzentrieren, sondern Verbrauchern ein breites Spektrum an unterschiedlichen Leistungen bieten. Dies betrifft auch Bereiche, in denen Legal-Tech-Anbieter bisher kaum oder gar nicht aktiv sind, wie beispielsweise bei der Rückforderung von verlorenen Glücksspieleinsätzen oder bei Abzockfällen wie überhöhten Schlüsseldienstrechnungen. Verbraucher finden auf unserer Website zudem weiterführende Hinweise und können sich zu den Hintergründen der für sie relevanten Themen informieren.
Sofern wir die Ansprüche aus rechtlichen Gründen nicht selbst durchsetzen, arbeiten wir mit spezialisierten Partneranwälten und strategischen Partnern zusammen. Wir kooperieren beispielsweise mit dem Prozessfinanzierer AdvoFin, der über umfassende Erfahrung bei der Durchsetzung von Glücksspiel-Rückforderungen verfügt und dort bereits eine vierstellige Anzahl von Klagen finanziert hat. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass wir die gerichtliche Durchsetzung gegebenenfalls auch einer großen Anzahl von Ansprüchen sicherstellen können.
Für unsere Kunden bietet dieses Modell eine Reihe von Vorteilen. Zunächst entfällt eine aufwendige Anwaltssuche und durch die vollständige Digitalisierung des Angebots der mit einer Mandatierung verbundene bürokratische Aufwand. Daneben übernehmen wir sämtliche Kostenrisiken für unsere Kunden, die nach unserer Erfahrung eines der Haupthindernisse für Verbraucher darstellen, ihre Rechte wahrzunehmen. Es uns ein besonderes Anliegen, von unseren Kunden als fairer Partner wahrgenommen zu werden. Vor diesem Hintergrund erklären wir, wie und warum wir in einer bestimmten Weise vorgehen, vermitteln eine realistische Einschätzung der Erfolgsaussichten und sind absolut transparent in Bezug auf unsere Erfolgsprovision.

Wie sehen sie die Zukunft für den Rechtsmarkt bezogen auf ihre Lösung?

Wir sind überzeugt, dass Rechtsdurchsetzung als Service außerhalb der traditionellen rechtsanwaltlichen Beratung stark zunehmen wird, jedenfalls im Hinblick auf den beschriebenen Anspruchstypus gleichförmiger Ansprüche mit einer großen Anzahl von Anspruchsinhabern.
Zum einen halten wir das potenzielle Marktvolumen solcher Ansprüche auch heute schon für erheblich. Nach repräsentativen Marktuntersuchungen kennen viele Verbraucher ihre Rechte nicht ausreichend und/oder scheuen Aufwand und Risiken einer Durchsetzung. Dies gilt selbst in Bezug auf Fluggastrechte, einem Bereich, der eine eher hohe mediale Aufmerksamkeit genießt. Als Verbraucherplattform wollen wir hierfür ein größeres Bewusstsein schaffen und mit unserem Angebot junge und digitalaffine Kundengruppen ansprechen, für die eine Inanspruchnahme digitaler Dienstleistungen eine Selbstverständlichkeit ist.
Zum anderen glauben wir, dass sich auch im Hinblick auf EU-rechtliche Entwicklungen zunehmend Ansprüche für diese Art der Durchsetzung eignen werden. Hier sehen wir im Bereich Datenschutz ein erhebliches Potenzial. Insgesamt gehen wir davon aus, dass Rechtsdienstleistungen als Commodities in vielen Anwendungsbereichen enorm an Bedeutung gewinnen werden.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.

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