Law me. verspricht den Anwalt in der Tasche – was kann die App?
Ein Interview mit der Law me. Gründerin Katrin Stopp – von Falkenstein
LTV: Hallo Katrin, du bist die Gründerin und Geschäftsführerin von Law me. Was genau ist das?
Law me. ist eine Erste-Hilfe AI Rechts-App für Rechtsuchende in zivilrechtlichen Angelegenheiten, welche aber zeitgleich als juristisches WIN-WIN Ökosystem dient. Das heißt, alle Beteiligten im Bereich Rechtssuche-/Rechtsfindung bekommen von Law me. was sie in ihrem Bereich supportet. Hier will gleich mal klargestellt werden, dass Law me. keine Plattform ist, da sich Menschen dort nicht direkt miteinander vernetzen können – Facebook ist eine Plattform! 🙂 Außerdem ist Law me. abgeleitet von Lawmediator (meinem Lawfluencer Pseudonym). Law me. soll mit seinem Prozess auch die Mediationsverfahren fördern und Gerichte dadurch entlasten. Außerdem wollen wir damit allen Beruflern im rechtlichen Bereich das geben, was sie wirklich benötigen, um erfolgreich in die digitale Wende einzusteigen ohne unterzugehen.
LTV: Interessant. Und wie kam es zur Gründung und wie hast du damals angefangen?
Wie es zu Law me. kam war einfach die typische Story der Eigenerfahrung von prozessualen Problemen in der Rechtssuche. Ich habe nach dem Studium beschlossen, mich für außergerichtliches Einzusetzen und dies mehr in der Rechtssuche zu etablieren – als Botschafterin für Außergerichtliches. Dadurch habe ich Anfang 2021 eine Consulting-Firma für außergerichtliche Methoden, wie beispielsweise Mediation, gegründet und dieses Thema auch in Politik und Wirtschaft gebotschaftet. Als dann ChatGPT auf den Markt kam, war meine Kreativität angeregt und ich wollte das außergerichtliche digitalisieren. Im April 2023 war die Konzeptionsphase von der Law me. App abgeschlossen und wurde dann als Test bei einem Legal Tech Hackathon des Start Up Inkubator UnternehmerTUM in München gepitcht. Der Zuspruch seitens des Publikums wurde schnell kommuniziert und damit war der Startschuss gefallen.
Ein Jahr später habe ich dann meinen ersten Entwickler kennengelernt und sechs Monate später auch meinen AI Developer, sodass wir dann Mitte April 2025 endlich das Produkt Marktreif hatten und an den Start gehen konnten. Mit Venture Capital wäre das alles sicher schneller gegangen, aber im Leben kommt alles zu seiner Zeit. Inzwischen verzeichnen wir schon erste Abonnenten und zahlreiche Kooperationspartner – bei uns die „Law me. Professionals“ genannt.
LTV: Wie war dein bisheriger Werdegang? Kommst du aus dem juristischen Bereich?
Ursprünglich komme ich aus der Gastro und dem Eventmanagement und bin auch viel in der VIP Szene unterwegs gewesen. 2017 bin ich dann meiner inneren Eingebung gefolgt und habe nochmals meinen Jugendtraum des Jurastudiums gestartet. Quasi von der Küche in die Kanzlei, wenn man so möchte. Hier möchte ich vor allem aber auch als Vorbild für Menschen agieren, die Glauben, dass nichts möglich ist. Es gab genügend Krabben, die mich wieder ins kochende Wasser zurückziehen wollten um ja nicht auszubrechen und eine Chance auf Leben zu haben, aber meine Willenskraft war immer stärker.
LTV: Spannend. Was würdest du sagen macht dich als Gründerin und Mensch aus?
Ok. Kein Moment für Bescheidenheit 🙂 Vorher muss ich aber noch sagen, dass ich viel Persönlichkeitsentwicklung betreibe und mich daher regelmäßig hinterfrage, nicht wegen Unsicherheit, sondern weil ich schauen will ob in mir noch alles an seinem rechten Platz ist. SO kann man klar seine Talente, aber auch seine Schwächen definieren. Ich habe eine unglaubliche Willensstärke und Argumentationsfähigkeit. Vor allem aber kann ich Strukturen schnell durchschauen und gute aufbauen und ich bin eine gute Vermittlerin in Konflikten.
LTV: Welches konkrete Defizit im aktuellen Rechtswesen war der ausschlaggebende Punkt für dich Law me. zu gründen?
Unsere Justiz weckt vor allem beim Rechtssuchenden misstrauen und teilweise sogar Verachtung. Die Zugänge zum Recht und Prüfung eines rechtlichen Anspruchs werden meist nicht einmal gegangen, weil hier in verschiedenen zivilrechtlichen Bereichen schon Schranken vorgeschoben werden. Nicht genügend Geld für eine Anzahlung des Rechtsanwalts, zu wenig Rechtswissen und grundsätzlich den Irrtümern und Lügen einzelner Akteure geweiht. Und das oft ohne RSV, entweder wegen finanzieller Schwierigkeiten oder weil sie bereits von einer RSV gekündigt wurden. Vereine sind überlastet und die Hürden sind vielen Verbrauchern ab da schon zu viel, also lassen sie ihr Recht verstreichen. Das ist alleine nur die Seite der Verbraucher. Der Part der Rechtsanwälte, Mediatoren und Rechtsschutzversicherungen kommt noch on Top und deren Interessen haben wir detailliert analysiert und mit der Law me. App als Lösung umgesetzt.
LTV: Welche Zielgruppe sprecht ihr denn genau an?
Wir supporten Rechtsanwälte, Mediatoren aber auch Rechtsschutzversicherungen. All diese können mit uns kooperieren. In erster Linie aber der Verbraucher mit zivilrechtlichen Anliegen. Die Justiz kann uns als Supporter sehen, ihre Interessen zu unterstützen.
LTV: Viele Kanzleien leiden ja unter „Insel-Lösungen“. Wie nahtlos fügt sich Law me. in die bereits bestehende IT-Infrastruktur ein?
Mir persönlich war es wichtig, dass Rechtsanwälte und Kanzleien neben dem ganzen neuen Legal Tech Solution Jungle mit uns keinen weiteren Aufwand haben. Keine zusätzliche Software die benötigt wird, keine krasse Implementierung von neuen Prozessen in der Kanzlei, sondern einfach nur starten. Die Rechtsanwälte und Mediatoren müssen keinen extra Aufwand betreiben, um vom Law me. Ökosystem zu profitieren. Aktuell kann uns jeder Anwalt eine Anfrage schicken, um bei uns als Kooperationspartner mitzumachen. Wichtig nur, die Anwälte sollten offen für Zivilrecht sein.
LTV: Siehst du dich als Partner der Anwaltschaft oder als Substitut, das langfristig bestimmte anwaltliche Tätigkeiten überflüssig macht?
Wir sind definitiv Supporter. Gerade weil wir wollen dass jeder Rechtsanwalt “smove“ in die digitalen Prozesse mitgenommen wird, haben wir das System so einfach wie möglich gehalten. Auch unter Berücksichtigung jeder Altersgruppe. Keiner soll in dieser herausfordernden Zeit ausgegrenzt werden. Klingt jetzt vielleicht etwas ideologisch, ist in der Praxis aber easy gedacht.
LTV: Zum Abschluss: Wie wäre ein konkreter Anwendungsfall mit eurer App Software?
Wenn sich Rechtsanwälte und Mediatoren bei uns im Rechtsanwaltspool registrieren, wir nennen das auch vertraglich Kooperationspartner, dann erhalten sie eine Fallakte von uns in welcher nicht nur alles zum Fall, inkl. Dokumente, sondern auch eine erste KI-gestützte Einschätzung beinhaltet ist, damit man schnell weiß, worum es geht oder ob man den Fall annehmen kann und will.
LTV: Vielen Dank Katrin und viel Erfolg mit Law me.






