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US-Wirtschaftskanzlei Vorys entwickelt KI-Doppelgänger von Partnern für die Associate-Ausbildung

Die US-Wirtschaftskanzlei Vorys, Sater, Seymour and Pease, die auch ein Büro in Berlin unterhält, führt KI-basierte „Partner-Personas“ ein, die ihre Associates beim Lernen und bei der Dokumentenarbeit unterstützen sollen. Die digitalen Zwillinge wurden gemeinsam mit dem Stanford Law School Innovation Lab liftlab entwickelt und basieren derzeit auf 19 Partnern der Kanzlei. Nach einer mehrmonatigen Pilotphase werden die Systeme nun kanzleiweit ausgerollt.

Anders als viele generative KI-Anwendungen werden die Personas nicht mit Schriftsätzen oder Mandatsdokumenten trainiert. Stattdessen beruhen sie auf ausführlichen Interviews, in denen die Partner ihre Denkweisen, Werte, Erfahrungen und Entscheidungsprozesse erläutern. Ziel ist es, die individuelle Herangehensweise einzelner Anwälte digital abzubilden.

Associates können die KI-Personas nutzen, um Entwürfe prüfen zu lassen, strategisches Feedback einzuholen oder die Perspektive bestimmter Partner auf rechtliche Fragestellungen zu simulieren. Nach Angaben der Kanzlei wurden die Systeme bereits eingesetzt, um Argumentationslinien für Schriftsätze weiterzuentwickeln, Patentanalysen zu vertiefen und Transaktionsdokumente auf potenzielle Prozessrisiken zu untersuchen.

„Es ist fast so, als hätte man eine niedrig aufgelöste Karte des Gehirns einer Person“, sagte Nate Jedinak, Senior Director of Software, Data and Innovation bei Vorys. Partner Scott Powell berichtete, die Antworten seiner KI-Persona hätten seine eigene Denkweise überraschend präzise widergespiegelt.

Bemerkenswert ist dabei der Ansatz der Kanzlei, bewusst individuelle Anwaltspersönlichkeiten statt eines allgemeinen „Super-Anwalts“ abzubilden. Nach Ansicht von Vorys liefern die unterschiedlichen Erfahrungen, Spezialisierungen und Arbeitsstile der Partner wertvollere Erkenntnisse als ein standardisiertes Expertenmodell.

Die Initiative adressiert zugleich eine der zentralen Herausforderungen des Rechtsmarkts: Wie lassen sich junge Juristinnen und Juristen ausbilden, wenn generative KI zunehmend typische Einstiegsaufgaben automatisiert? Die Kanzlei sieht die Personas deshalb ausdrücklich als digitales Mentoring-Instrument. Sie sollen Wissenstransfer, Ausbildung und Zusammenarbeit verbessern, nicht jedoch menschliche Anwälte ersetzen.

Parallel arbeitet liftlab an weiteren KI-gestützten Trainingsumgebungen für Kanzleien. Künftig sollen Associates etwa Verhandlungen, Due-Diligence-Prozesse oder Mandantengespräche in realitätsnahen Simulationen trainieren können.

Mit dem Projekt gehört Vorys zu den ersten Wirtschaftskanzleien, die generative KI nicht primär zur Automatisierung juristischer Arbeit einsetzen, sondern gezielt zur Skalierung von Erfahrung, Ausbildung und Mentoring innerhalb der Organisation.

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