Gabe Pereyra (Harvey): Wie sich die Rechtsbranche auf eine KI Superintelligenz vorbereiten kann
Gabe Pereyra, President und Mitgründer der Legal KI Firma Harvey, hat am 22. Juli 2025 einen Blogbeitrag veröffentlicht, in dem er definiert, was „Legal Super Intelligence“ (LSI) sein könnte und welche Schritte Kanzleien schon heute darauf bezogen planen sollten.
Was eine Legal Super Intelligence leisten soll
Pereyra beschreibt die LSI als ein autonomes System, das jede Verhandlung, jeden Rechtsstreit und jede Entscheidung in beliebigen Rechtsgebieten mindestens so gut wie führende Rechtsexpertinnen oder Rechtsexperten meistern kann. Konkret nennt er dabei drei Kernfelder:
1. Verhandlung: Verträge entwerfen und verhandeln – inklusive Einholung fehlender Informationen – ohne menschliche Aufsicht.
2. Litigation: Anträge und Schriftsätze auf Top-Niveau verfassen und Strategien dynamisch an gegnerische Argumente anpassen.
3. Adjudikation: Urteile fällen, dabei Präzedenzfälle und gesellschaftliche Konsequenzen verstehen.
Abgrenzung zu AGI und ASI
Während sich die Debatte um Allgemeine Künstliche Intelligenz (AGI) zuspitzt, argumentiert Pereyra, dass spezialisierte, „superintelligente“ Systeme im Recht deutlich früher Realität werden könnten als eine allumfassende Superintelligenz (ASI). AGI definiert Pereyra als KI, die die meisten Aufgaben besser erledigt als die meisten Menschen. ASI wiederum wäre in jeder Disziplin jedem Menschen überlegen.
Zeitachsen: Zwischen 2026 und dem Ende des Jahrzehnts
In seinem Beitrag verweist Pereyra auf Einschätzungen führender KI-Entwickler: Sam Altman (OpenAI) sieht AGI in ein bis zwei Jahren kommen, Dario Amodei (Anthropic) hält 2026 für möglich, Demis Hassabis (Google DeepMind) peilt fünf bis zehn Jahre an. Pereyra schließt daraus: Unabhängig von Definitionsfragen schreitet die Entwicklung schneller voran, als viele erwarten!
Vom Feinschliff zur Fundamentalkorrektur
Pereyra warnt, dass die derzeit eher schrittweise Einführung von KI-Tools bald von einer grundlegenden Transformation ersetzt werde. Innovationsteams in Kanzleien müssten strategisch planen und Change-Management betreiben: vom Geschäftsmodell bis zur Ausbildung.
Fünf Handlungsfelder, die CIOs jetzt angehen sollen
Aus den Gesprächen mit Kanzlei-IT-Chefs und Innovationsabteilungen identifiziert Pereyra folgende zentrale Fragen:
1. Entwicklung: Wie wird die Technologie verantwortungsvoll gebaut und ausgerollt?
2. Evaluation: Welche Messgrößen definieren Fortschritt in Richtung LSI?
3. Technik: Wie funktionieren diese Systeme konkret, wie werden sie implementiert?
4. Differenzierung: Worin unterscheiden sich Kanzleien, wenn Superintelligenz Standard wird?
5. Sicherheit: Wie schützt man sensible Mandantendaten und Kanzlei-Know-how?
Pereyras Kernbotschaft lautet: Der Sprung von „besseren Tools“ zu „autonomen, superintelligenten Rechtssystemen“ ist näher, als viele Juristinnen und Juristen glauben. Wer jetzt die richtigen Fragen stellt und Strukturen schafft, kann von der Umwälzung profitieren – statt von ihr überrollt zu werden.






