FachartikelKünstliche Intelligenz

Von der Schreibmaschine zur KI – Die neue Rolle der ReFAs

Legal Tech verändert die juristische Arbeitswelt, auch für Rechtsanwaltsfachangestellte. Wer den digitalen Wandel annimmt, sichert nicht nur die eigene Zukunft, sondern erleichtert sich den Arbeitsalltag spürbar: weniger Routine, weniger Zeitdruck, mehr Raum für wertvolle Aufgaben.

Vom Papierstapel zur digitalen Akte

Als ich 2018 meine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten begann, war der Kanzleialltag noch stark papierbasiert. Fristen wurden händisch notiert, Diktate abgetippt, Schriftsätze in Handakten abgelegt, Aktenstapel ausgedruckt und wieder eingescannt, all das gehörte zum täglichen Geschäft. Ich war mit Herzblut dabei, doch oft frustriert über unnötig umständliche Abläufe. Besonders das Kopieren dicker Strafakten war eine zeitraubende, mühselige Aufgabe. Damals hätte ich nie gedacht, dass sich Legal Tech einmal so weit entwickeln würde, dass KI heute ganze Akten eigenständig liest und analysiert und diese mittlerweile fast ausschließlich digital geführt werden.

Heute, sieben Jahre später, bin ich in einem Legal-Tech-Start-Up tätig und könnte mir keinen besseren Weg für meine berufliche Zukunft vorstellen. Was mich hierhergebracht hat? Neugier, Wissensdurst und der Mut, Neues auszuprobieren und aktiv mitzugestalten. Denn Legal Tech ist kein Gegner, sondern unser stärkster Verbündeter.

Unsere Rolle im digitalen Wandel

Rechtsanwaltsfachangestellte kennen wie keine andere Berufsgruppe die Abläufe in Kanzleien. Wir wissen, welche Prozesse Zeit kosten, welche Arbeitsschritte doppelt gemacht werden müssen und wo häufig Fehler passieren. Genau deshalb spielen wir eine Schlüsselrolle in der digitalen Transformation.

Mehr Effizienz, weniger Stress

Der größte Vorteil von Legal Tech für Rechtsanwaltsfachangestellte zeigt sich im Alltag: weniger monotone Routinearbeiten, weniger Fehlerquellen, weniger Zeitdruck. Digitale Tools übernehmen beispielsweise das automatische Einpflegen von Daten bei der Aktenanlage, von Mandanten- und Gegnerdaten bis hin zu allen weiteren Beteiligten. Auch das Erstellen von Standarddokumenten geschieht in Sekunden statt in Minuten oder gar Stunden. Das schafft Freiraum für anspruchsvollere Tätigkeiten wie die Organisation komplexer Mandate, eine intensive Mandantenbetreuung oder die strukturierte Steuerung von Kanzleiprozessen.

Wissensdurst als Karriere-Booster

Ich war schon immer ein wissensdurstiger Mensch. Als ich meine nebenberufliche Selbstständigkeit als virtuelle Rechtsanwaltsfachangestellte begann, waren die folgenden zwei Jahre geprägt von intensiver Weiterbildung und persönlicher Entwicklung. Diese Phase legte den Grundstein für meine heutige Position in der Legal-Tech-Branche, eine Rolle, die ich vor allem meiner unermüdlichen Neugier verdanke.



Die Weiterbildung zur Legal Tech & Operations Managerin im März 2025 war für mich ein echter Gamechanger. Ich lernte, wie man eine digitale Strategie für Rechtsabteilungen entwickelt, geeignete Tools auswählt und juristische Prozesse transformiert und automatisiert. Dazu kamen wertvolle Einblicke in den Aufbau einer Legal-Operations-Funktion in Unternehmen, in Prompting und Prompt Engineering sowie in alle wesentlichen Aspekte rund um die Implementierung von Legal Tech.

Am Ende der Weiterbildung entwickelte ich als Abschlussprojekt eine umfassende Digitalstrategie zur Vertragsautomatisierung für eine mittelständische arbeitsrechtliche Kanzlei, ein Projekt, das mir einmal mehr zeigte, wie viel Potenzial in der Verbindung von Recht und Technologie steckt.

Der erste Schritt ist leichter als gedacht


Viele Kolleginnen und Kollegen haben Bedenken – verständlich. „Ich bin keine Technikerin“, „Ich arbeite lieber analog“, „Das klappt bei uns eh nicht“. Solche Sätze hört man oft. Aber man muss keine IT-Expertin sein, um Legal Tech zu nutzen. Es geht nicht darum, selbst zu programmieren, sondern neugierig zu bleiben und bereit zu sein, Neues zu lernen.

Den ersten Schritt zu gehen, kann bedeuten, ein neues Tool auszuprobieren, einen Prozess zu hinterfragen oder sich einfach erklären zu lassen, wie etwas funktioniert. Es ist befreiend, nicht mehr alles manuell erledigen zu müssen. Plötzlich bleibt mehr Zeit für das, was wirklich zählt: für Menschen, für Qualität, für Weiterentwicklung. Genau hier liegt unsere Chance.

Fazit: Zukunft gestalten, statt verwalten

Legal Tech ist gekommen, um zu bleiben und das ist gut so. Rechtsanwaltsfachangestellte haben das Potenzial, diesen Wandel aktiv mitzugestalten und von ihm zu profitieren. Unsere Erfahrung ist wertvoll, unsere Bereitschaft, Neues zu lernen, macht uns unersetzlich. Wenn wir diese Chancen erkennen und nutzen, können wir gemeinsam die Zukunft der Rechtswelt verändern.

Autorin: Beyza Turgut ist ausgebildete Rechtsanwaltsfachangestellte, ehemalige selbstständige virtuelle ReFa, zertifizierte Legal Tech & Operations Managerin und seit Juni 2025 Legal Engineer beim Legal-Tech-Start-Up JUPUS.

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